Nach Recherchen der Financial Times Deutschland verfügt Friedrich Merz über ein Millionenvermögen aus Aktien, Immobilien und früheren Tätigkeiten in der Finanzwirtschaft. Besonders seine enge Verbindung zum Vermögensverwalter BlackRock sorgt für Diskussionen darüber, wessen Interessen er im Kanzleramt vertritt.


Friedrich Merz, der amtierende Bundeskanzler, hat in seinem Leben nicht nur politische, sondern auch erhebliche finanzielle Höhen erreicht. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, verdankt Merz einen großen Teil seines Vermögens dem Kapitalmarkt – und den Kontakten, die er in Jahrzehnten zwischen Wirtschaft und Politik knüpfte.

Dem Bericht zufolge investierte Merz früh in Aktien, darunter beim Börsengang des Schweizer Zugherstellers Stadler Rail im Jahr 2019. Seine Anteile hatten damals einen Wert von rund 5,5 Millionen Euro. Auch in andere Finanzprodukte und Beteiligungen soll er frühzeitig investiert haben. Diese Anlagestrategie habe, so die Zeitung, sein Vermögen „erheblich gesteigert”.

Ein weiterer Baustein seines Reichtums liegt im Immobilienbesitz: ein Wohnhaus im Sauerland, der Hauptwohnsitz der Familie Merz, sowie ein Ferienhaus am Tegernsee, eine der teuersten Regionen Deutschlands. Der Gesamtwert seiner Immobilien wird auf rund fünf Millionen Euro geschätzt.

Und auch am Himmel gönnt sich Merz Luxus: Er besitzt eine Diamond DA62, ein zweimotoriges Leichtflugzeug – ein Symbol dafür, wie nah er der Welt der Unternehmer und Investoren geblieben ist, auch als Politiker.


Ein Kanzler mit Vergangenheit in der Finanzindustrie

Vor seiner Rückkehr in die Politik war Merz über Jahre hinweg tief in die internationale Finanzwelt eingebunden. Besonders seine Tätigkeit für BlackRock Deutschland, den größten Vermögensverwalter der Welt, prägt bis heute sein Image. Zwischen 2016 und 2020 war er dort Aufsichtsratsvorsitzender.

In dieser Zeit soll er laut Financial Times Deutschland ein Gehalt von etwa 500.000 Euro jährlich erhalten haben, teils ergänzt durch Boni und Honorare aus weiteren Beratertätigkeiten. Seine Jahreseinkünfte in der Privatwirtschaft hätten sich insgesamt auf rund eine Million Euro summiert.

Neben BlackRock war Merz auch in den Aufsichtsräten oder Beiräten von Konzernen wie AXA, BASF, Commerzbank, der Deutschen Börse und dem Flughafen Köln/Bonn vertreten. Als Anwalt der Kanzlei Mayer Brown LLP beriet er Unternehmen in Fragen des Finanzrechts, der Compliance und bei Fusionen – also genau in jenen Bereichen, in denen die Finanzbranche und die Politik regelmäßig aufeinandertreffen.


Wessen Interessen vertritt der Kanzler?

Seit seinem Amtsantritt steht Merz für eine wirtschaftsfreundliche Politik: weniger Regulierung, niedrigere Unternehmenssteuern, Privatisierung staatlicher Aufgaben. Diese Linie passt zu seiner Biografie – und wirft zugleich eine unbequeme Frage auf:

Wessen Interessen prägen die Entscheidungen des Kanzlers – die der Bürger oder die der Investoren?

Seine frühere Nähe zu BlackRock ist dabei nicht bloß biografisches Detail. Der US-Vermögensverwalter ist einer der größten Anteilseigner an zahlreichen DAX-Konzernen und spielt eine zentrale Rolle in der globalen Finanzarchitektur. Dass ein deutscher Regierungschef zuvor als Aufsichtsratschef für diesen Konzern tätig war, ist ein Novum – und ein potenzieller Interessenkonflikt, der bis heute nachwirkt.

Kritiker verweisen darauf, dass Merz in seiner bisherigen Amtszeit mehrfach Positionen vertreten hat, die unmittelbar mit den Interessen großer Kapitalgesellschaften übereinstimmen – etwa bei der Debatte um die Aktienrente, der Lockerung der Schuldenbremse zugunsten von Investitionsfonds oder der steuerlichen Behandlung von Vermögen.


Ein Kanzler zwischen zwei Welten

Friedrich Merz präsentiert sich gern als Politiker mit wirtschaftlicher Kompetenz – einer, der „versteht, wie Märkte funktionieren”. Doch seine persönliche Erfolgsgeschichte im Finanzsektor wirft unweigerlich die Frage auf, ob er den Staat als Gegengewicht zu den Märkten sieht – oder als ihr Verbündeter.

Die Financial Times Deutschland fasst sein Profil so zusammen: „Merz ist ein Kanzler, der die Sprache der Investoren spricht – und sie auch selbst gelernt hat, bevor er sie politisch interpretiert.”

Ob ihm das in einer Zeit wachsender sozialer Ungleichheit zum Vorteil oder zum Nachteil gereicht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Sicher ist nur: Noch nie war ein deutscher Regierungschef dem globalen Finanzkapital so eng verbunden.